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DIE KUNST DER KONTEMPLATION

Achtsamkeit als Motto

By Demi Doman with Becky Wicks

Achtsamkeit, Kontemplation und Besinnung erweckten in mir immer Bilder von Yogis auf Meditationskissen oder blasierten Bloggern, die mit selbstzufriedenem Lächeln Chiasamenpudding zubereiten. Das sah nach einem idyllischen Leben aus, aber auch langsam, genießerisch und nach etwas, wofür ich keine Zeit hatte. Ich empfinde mein Leben gerne als beschäftigt und wichtig - ein schnelllebiger, städtischer Lebensstil, der oft eine unscharfe Mischung aus Pendeln, Meetings, Terminen, etwas undefinierbaren Ausgehabenden und einem ständigen Schlafmangel ist.

Aber natürlich kommt die Zeit, wo dieses Summen aus Geschäftigkeit und Wichtigtuerei dazu führt, dass man sich müde und elend fühlt und das dringende Verlangen nach einer erholsamen Entspannung verspürt, die auch das größte Glas Rioja nicht bieten kann. Wenn Sie mir irgendwie ähnlich sind, warten sie vermutlich auch immer, bis sie psychisch und physisch völlig abgestürzt sind, bevor Sie entscheiden, dass es Zeit für eine Erholung ist.

Jedoch heißt es, Vorbeugen sei besser als Heilen, und vielleicht könnte ich, wenn ich in meinem alltäglichen Leben etwas beschaulicher wäre, meine „Alles oder Nichts"-Mentalität dauerhaft gegen eine besinnlichere Lebensweise austauschen. Und daher forschte ich ein wenig nach, um den Schlüssel zur Achtsamkeit in meinem Alltagsleben zu finden. 

 FOMO - das Gefühl, etwas zu verpassen

Vielleicht ist es ein Gruppendruck oder die Tatsache, dass ich das ganze Jahr hindurch unter der Angst leide, etwas zu verpassen, dazu das Gefühl „ich kann noch genug schlafen, wenn ich tot bin“ - ich finde es immer schwierig, eine Einladung abzulehnen. Braucht jemand Publikum, um einen Umschlag aufzureißen? Zählen Sie auf mich!

Aber diese Haltung eines Möchtegernprominenten bedeutet, dass ich nicht genug friedliche Zeit mit meinem Bett habe. Oder meinem Fitness-Studio. Oder meiner Yoga-Matte. Im Grunde bedeutet es, dass ich zu oft trinke, schlecht esse, zu wenig schlafe und ständig auf der Hut vor blamablen Fotos bin, auf denen ich auf Facebook erkannt werden könnte. Letztlich muss ich widerwillig zugeben, dass meine Entscheidungen mich auf lange Sicht oft schlecht fühlen lassen.

In ihrem Buch „How We Choose To Be Happy: The 9 Choices Of Extremely Happy People-Their Secrets, Their Stories“ schreiben die Autoren Rick Foster und Greg Hicks: „Es geht um den aktiven Wunsch und die Selbstverpflichtung, glücklich zu sein ... Es ist die Entscheidung, bewusst Einstellungen und Verhaltensweisen zu wählen, die zu mehr Glücksgefühl statt Unglücklichsein führen."

Mit diesem Ausgangspunkt ist eine Lösung für mich, wie ich zugeben muss, vermutlich öfter „Nein“ zu sagen. Wählerisch zu sein. 

Stilvoll sein. Mehr Theron, weniger Kardashian. Puh. Aber es ist nicht erforderlich, ein gesellschaftlicher Paria zu sein - es geht nur darum, sich etwas mehr Zeit dafür zu nehmen, sich um sich selbst zu kümmern, zu chillen und ein paar Dinge von der To-Do-Liste abzuhaken, was letztendlich mehr für das Glücksgefühl bringt, als noch ein Trinkgelage nach der Arbeit. 

 

“When it comes down to it, I’m not doing enough to put the wheels in motion. When I look back on the moments in my life when the biggest changes have occurred, it’s been following some kind of trauma, such as a break-up or being fired.”

 But being a social pariah isn’t a necessity—it’s just about taking a little more time for self-care, chilling out and ticking a few things off your to do list, which will, ultimately, do more for your happiness than yet another post-work drinking session. 

Takeaway: Once the inevitable FOMO has subsided, a smugness will take its place—the kind of smugness that only a holier-than-thou sense of accomplishment and productivity that Getting Things Done can bring. I’m feeling more zen already. 

 Sprechen Sie es aus

Wenn ich eines gelernt habe, dann, dass es hilft, Dinge auszusprechen, wenn Sie sich im Kopf darüber klar werden wollen. Noch etwas, was ich dabei anschließend gemerkt habe, ist, dass selbst Ihre besten Freunde nur begrenzte Geduld haben, wenn es darum geht, endlos Ihre aktuelle Lebensweise zu analysieren und warum alles bestens wäre, wenn Sie noch mit Jake zusammen wären. Wenn Sie sich daran gewöhnen, dass Leute ins Weite starren, während Sie mit ihnen reden, ist es eine Erleichterung zu wissen, dass man Profis dafür bezahlen kann, dass sie Ihnen beim Reden zuhören. So sehr das auch aussieht, als würde man sich verhätscheln, ist es doch ein wirklich gesunder Weg, um allem die richtige Perspektive zu verschaffen, geistige Klarheit zu finden und endlich mit dem ganzen Zeug weiterzukommen, von dem man immer sagt, dass man es „eines Tages“ tun würde.

Daniëlle Boers (www.methart-en-ziel.nl), ein Life-Coach mit Sitz in Zwartsluis in den Niederlanden, ist ein Profi darin, Leuten bei der Entdeckung der Kunst des friedlicheren Lebens zu helfen. Die Grundlage ihrer Coaching-Praxis ist die Theorie, dass die meisten Menschen sich auf einer von drei Bewusstseinsebnen befinden. Die erste ist die „niedrigste Energie“, auf der Menschen Angst, Schmerz und Trauer über all die Dinge fühlen, die nicht möglich sind. Die zweite Ebene ist die „Komfortzone“, wenn sie auf Nummer Sicher gehen und Entschuldigungen dafür finden, dass Sie nicht versuchen, das zu bekommen, was sie wirklich wollen. Die dritte ist die „magische Ebene“, die Menschen oft erreichen, wenn etwas sie gezwungen hat, sich zu ändern - vielleicht eine Krankheit oder der Verlust eines geliebten Menschen. In diesem Fall, sagt Daniëlle, mussten sie sich selbst konfrontieren und haben dadurch eine ganz neue Bewusstseinsebene erreicht. „Meine Aufgabe ist es, diese Menschen in ihre Komfortzone zu bringen und sie erkennen zu lassen, dass sie, wenn sie darauf warten, sich zu verändern, sie in einen unnötig schmerzhaften Prozess geraten, weil eigentlich jeder sich ändern kann. Wenn Sie aus diesem Trott herauskommen und Ihr Motto auf „Ich kann alles erreichen“ ändern, werden Sie sich nicht länger mit negativen Gedanken über das, was Sie nicht tun können, aufhalten, und ein Leben voller Frieden und Freiheit führen - und das sind die Grundbedürfnisse des Menschen."

Erkenntnis: Hören Sie auf zu warten. Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber ich sehe, was andere Leute schaffen und denke: „Das könnte ich auch“. Aber wenn es darauf ankommt, mache ich nicht genug, um die Räder in Bewegung zu setzen. Wenn ich auf die Momente in meinem Leben zurückschaue,

„Wenn es ums Essen geht, gibt es viel mehr zu beachten als nur die Menge an Kalorien, die man in sich hineinstopft."

in denen sich die größten Veränderungen in meinem Leben ereignet haben, war es meist nach einer Art von Trauma, wie einer Trennung oder einer Kündigung. Während solcher Zeiten brachte ich mich endlich in Form, weil ich den perfekten Körper für eine Rache haben wollte, oder ich habe meinen Lebenslauf so schön gestaltet, dass mehrere Personalberater auf mich aufmerksam wurden. 

 Essen für den inneren Frieden

Aber vielleicht ist es besser, meinen Weg zu einem beschaulicheren Leben beim Essen zu finden, als darüber zu reden. Wenn bewusstes Essen ein bisschen zu sehr nach Meditation über einem Salat klingt, den man bis zur Auflösung kaut und dann vor Hunger selbstmitleidig das lahme Abendessen beweint, sind Sie nicht alleine. Ich dachte auch, dass das bewusstes Essen wäre. Aber, wenn es ums Essen geht, gibt es viel mehr zu beachten als nur die Menge an Kalorien, die man in sich hineinstopft. Im Zeitalter von Fast-Food, Massentierhaltung, Ferntransport von Lebensmitteln und der riesigen Verschwendung in Supermärkten, Hotelbuffets und sogar in unserem eigenen Haushalt (ja, ich werfe schuldbewusst ungefähr alle drei Tage eine ungeöffnete Tüte mit wässrigem Spinat weg ...) gibt es sehr viel mehr als „original“ oder „besonders geschmacklos“ zu berücksichtigen, wenn Sie Ihre Lebensmittel auswählen. Sich ganz auf das Containern umzustellen (was bedeutet, etwas für die Umwelt zu tun, indem man die Müllcontainer von Supermärkten nach Lebensmitteln mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum durchsucht), schien mir für mich selbst etwas zu weitgehend, um für meine Sünde der Spinatverschwendung zu büßen, stattdessen arbeitete ich einen Tag ehrenamtlich bei der Amsterdamer Guerilla Küche (GKA). Diese Vereinigung von Ehrenamtlichen bereitet köstliche vegetarische Mahlzeiten aus gespendeten Produkten zu, die sonst im Müll landen würden. Die Mahlzeiten werden jeden Mittwoch bei Robin Food auf einer „zahlen-Sie-soviel-Sie-wollen“-Basis angeboten, 100% des eingenommenen Geldes geht wieder in soziale Projekte, wie das Kochen für Menschen ohne Papiere und Amsterdams weniger glückliche Einwohner. Etwas zum Nachdenken, stimmt's? 

 










 

 

 

  

Das Konzept, „Abfall“-Lebensmittel zu verwenden, die technisch überlagert oder überflüssig sind, um köstliche, preiswerte Mahlzeiten zuzubereiten, ist etwas, das überall in der Welt bei Supermärkten und Restaurants zunehmend aufkommt.

Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wird verschwendet, das sind weltweit 1,3 Milliarden Kilogramm pro Jahr. Daher ist das, was GKA tut, eine kinderleichte Lösung - und eine, die man einfach unterstützen kann, wenn man bedenkt, dass Nahrungsmittelknappheit ein sehr echtes, globales Problem ist. 

GKA beruht auf der Unterstützung durch Lebensmittelspenden von Lieferanten und Anhängern überall in der Stadt, mit einem Team von Freiwilligen, die sie zubereiten. Als ich zu meiner Schicht ankam, lernte ich Andi kennen, die bereits seit mehr als einem Jahr dort aushalf. Ein amerikanisches Kindermädchen und ein sudanesischer Bauarbeiter kamen bald dazu und wir überlegten zusammen, was wir aus dem riesigen Berg frischer Produkte, die von der Food Bank geliefert worden waren, machen könnten. Während der nächsten fünf Stunden arbeiteten wir daran, ein Festessen zu bereiten, aber inmitten des Chaos erwischte ich eine der Gründerinnen, um ein Gespräch zu führen. Im echten Guerilla-Stil zögerte die eingeborene Niederländerin, die jetzt eine Expertin für die weltweite Epidemie der Lebensmittelverschwendung ist, ihren Namen zu nennen, weil diese Organisation nicht auf Geld oder PR ausgerichtet ist. Ich fragte, wie es zu der Idee von GKA gekommen wäre. „Wir waren beim Containern und hatten mehr Lebensmittel, als wir essen konnten", sagte sie. „Obwohl wir Einladungen zum Abendessen machten und jede Menge verschenkten, hatten wir immer noch zu viel Essen. Wir begannen, es über einen „Kostenlos-Supermarkt“ zu verschenken, was wir an Samstagen immer noch tun. Wir haben das nicht überwacht, die Leute kamen vorbei und nahmen, was sie brauchten, um 12 Uhr mittags war alles weg. Das Ziel ist es jetzt, den Menschen etwas zu essen zu geben, damit sie eine gute Nacht haben. Es ist für Menschen, die nicht an einer zunehmend kapitalistischen Lebensweise teilnehmen wollen. Was bei uns ankommt, sind wirklich gute Überbleibsel. Heute werden wir mindestens 60 Menschen zu essen geben und es wird noch genug für morgen und vielleicht für übermorgen bleiben. Es ist etwas wirklich Gutes und Gesundes."

„Ich will nicht lügen, ich habe immer mit der Idee gespielt, ein Yogi zu sein. Ein starker, biegsamer Yogi, der grünen Tee trinkt."

Als die ersten hungrigen Kunden auftauchten, hatte ich tatsächlich Schmetterlinge im Bauch wegen ihrer Reaktionen auf das, woran wir den ganzen Tag gearbeitet hatten. Der Vollständigkeit halber: allen schmeckte es wirklich. Das ist anscheinend immer so. Erkenntnis: Es war nicht nur ein wirklich gelungener Tag, es gab mir mit Sicherheit auch viel zum Nachdenken: Wo kommt mein Essen her? Um welchen Preis? Wie kann ich bei meinem Konsum bewusster sein? Wie kann ich meine Privilegien nutzen, um anderen zu helfen? 

Dieses Yoga-Leben

Ein traditionellerer Weg, um ein wenig Kontemplation in mein Leben zu bringen - und einer, den ich wahrscheinlich ein oder zwei Mal in meine Woche quetschen kann - ist Yoga. Ich will nicht lügen, ich habe immer mit der Idee gespielt, ein Yogi zu sein. Ein starker, biegsamer Yogi, der grünen Tee trinkt. Natürlich, Yoga ist zwar gut für Veränderungen geeignet, aber es braucht wohl mehr Yoga, als ich je gemacht habe, um mir den Konkurrenzgeist auszutreiben. Meine Haltung passt in keiner Weise zum Geist eines Yogis. Während jeder Lektion läuft in meinem Kopf ein Monolog darüber ab, wer in der Klasse wohl am besten ist, ob ich den Lehrer mag oder nicht (wenn er mich ständig Bauchübungen machen lässt, mag ich ihn nicht) und ob mein Oberteil so weit hochgerutscht ist, dass die Person hinter mir einen Blick auf meinen Bauch hat.

Auf der Suche nach etwas mehr geistiger Führung fragte ich Yogi Ram, wie Yoga den Menschen hilft, einen positiveren Blick auf die Welt zu bekommen. „Viele Schüler gewinnen viel Selbstvertrauen, wenn sie lernen, ihren Körper und ihren Atem zu kontrollieren. Yoga konfrontiert uns oft mit unseren selbst geschaffenen Grenzen und zeigt uns gleichzeitig einen Weg, diese Grenzen zu überwinden, unsere Komfortzone auszudehnen und neue Wege zu erforschen."

Erkenntnis: Vielleicht ist der Konkurrenzgeist meine Beschränkung, die ich überwinden sollte. 

 Fortschweben

 Sich Zeit für die Kontemplation zu nehmen ist schwierig; vor allem, wenn man das ganze Internet zum Lesen, Freunde in WhatsApp und alle diese anderen Dinge hat, mit denen wir uns jeden Tag beschäftigen, die uns daran hindern, zu chillen und uns eine Minute für uns selbst zu gönnen. Prokrastination und Ablenkung sind meine Stärke. Selbst im Yoga denke ich darüber nach, wie ich im Vergleich zu der kurvenreichen Hübschen neben mir aussehe (und wo kauft sie ihre Leggins?)

"wenn wir in der Hunde-Position sitzen. So intensiv ich es auch versuche, Yoga ist nicht die Bewegungsmeditation, die sie meines Wissens nach sein sollte. Ich suchte nach mehr Führung." 

 Ich stieß auf Yogi Ram, der seit 16 Jahren Lehrer in Asana-Korrektur und Änderungstechniken in den Niederlanden ist. „Was die meisten Menschen gewöhnlich suchen, ist eine Anleitung, wie sie ihre Ängste und Unsicherheit loslassen und ihr Potential und ihre Vision für ihr Leben verwirklichen können", sagt er. „Für mich bedeutet ein kontemplatives Leben, bewusst zu leben. Ich bitte die Leute, fünfmal am Tag über zwei Fragen nachzudenken: „Was tue ich und warum tue ich dies?“ Das hilft, die Gedanken auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren und sie nicht in die Vergangenheit oder die Zukunft wandern zu lassen.

 Wenn ein Mensch die Antworten auf diese Fragen zu verstehen beginnt, beginnt er, ein harmonischeres und ausgeglicheneres Leben zu führen." Was Yogi Ram natürlich nicht wusste, war, dass ich mir genau diese Fragen ungefähr alle drei Minuten in meinem täglichen Leben stelle - und nur selten eine beruhigende Antwort finden kann, oder mich frage, warum mein Magen hartnäckig während des Savasana knurrt, und sollte ich eigentlich auf dem Weg nach Hause etwas vom Italiener mitnehmen? Für sprunghafte Geister wie meinen ist es nicht genug, nur das Telefon abzustellen, um sich besser zu konzentrieren. Stattdessen muss ich einige Schritte weitergehen, bis zur vollständigen sensuellen Deprivation. Nackt in einem stockfinsteren, schalldichten Tank zu liegen, der mit körperwarmem Wasser gefüllt ist, das genug Bittersalz enthält, um Sie ohne jegliche Anstrengung auf der Oberfläche schweben zu lassen hört sich vielleicht nicht nach viel Spaß an, aber es verschafft Ihnen mit Sicherheit den geistigen Freiraum, um in Ihrem Kopf ein paar Dinge zu durchdenken. Experten zufolge schaltet Ihr Gehirn hier in den Theta-Status, wo das Gehirn äußerst wachsam, der Körper aber entspannt ist. Ihr Geist, der dann nicht Milliarden sensorischer Daten zu verarbeiten hat, ist frei, um kreativ, einfühlsam und aufs Äußerste konzentriert zu sein.

Erkenntnis: Wenn Sie über etwas nachdenken müssen, scheint es, dass ein dunkler, nasser und salziger Tank der beste Ort dafür ist. Wer hätte das gedacht?